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Schroffe Berge, dichte Wälder, windschiefe Wegkreuze, urige Wirtsstuben: Bayern-Krimis von Dinesh Bauer

Der Wammetsberger Schorsch ist ein bayerisches Urgestein – und ein ebensolches ist sein Schöpfer. Dinesh Bauer liefert einen Bayern-Krimi, bei dem selbst Rita Falks Eberhofer ein bisschen blass ums Näschen werden könnte: sprachgewaltig, verzwickt und mit grandios-typischen Charakteren! 
Hintergründig und humorvoll, kantig und liebevoll: Dinesh Bauer ist ein herausragender Beobachter, der die Mentalität seiner Landsleute kennt wie die Tasche seiner Trachtenweste. 
Im Interview plaudert er über die Entstehung seiner weiß-blau-wilden Texte. 

 

 

Magazin HaymonKrimi: Was macht für dich den Reiz deiner Geschichten aus?

Dinesh Bauer: Die Stories spielen im bayerischen Oberland, dem urbayerischen Landstrich nördlich der Alpen. Zum Teil aber auch drüben in Tirol. Bayern und Tiroler verbindet ja seit Jahrhunderten eine innige „Hassliebe“. Das Setting spricht jeden an, der Bayern und die Berge liebt. Im O-Ton spricht man bayerisch – und die Protagonisten sind felsenfest in ihrer „Hoamad“ verankert. Meine Bücher unterscheiden sich durch ihre Authentizität und Originalität von anderen Krimis des Genres „Alpen-Krimi“. Knorrige und krachlederne Charaktere wie Dorf-Bulle Schorsch Wammetsberger, sein Spezl Ignaz Irgl oder der Wildschützen-Guerillero „Che“ Wildbichler sind schon ein eigenes Kaliber. Dementsprechend hitzig, humorig und hinterkünftig geht es zu. Auf einen Nenner gebracht: weiß, blau und wild. Da ist vieles authentisch, vieles saukomisch – und auf den Punkt gebracht.

Magazin HaymonKrimi: Inzwischen erleben die Regiokrimis zwischen Sylt und Salurn ja einen richtigen Boom. Was war deine Intention beim Schreiben?munich-1220977_1280

Dinesh Bauer: Ich hab ja schon vor 15 Jahren angefangen, mich mit diesem Genre zu beschäftigen – da war da noch so gut wie nix am Markt. 2010 ist mein erster „Heimatkrimi“ im Selbstverlag erschienen. Die Wammetsberger-Reihe geht ein wenig andere Wege als die meisten anderen Romane im Rauten-Format. Es gibt bei mir zwei klar definierte Handlungsstränge, die separat zum „Ziel“ führen – und jeder Mordfall hat einen aktuellen Aufhänger, Themen wie Filz in der Lokalpolitik, Terrorismus-Hysterie oder die Flüchtlingsproblematik. Diese komplexen und zweifelsohne bedeutsamen Themen nehmen meine Protagonisten jedoch bewusst auf die „leichte Schulter“. Für mich steht das sinnbildlich dafür nie den Humor zu verlieren – sonst steht man auf verlorenem Posten.

Magazin HaymonKrimi: Wie wichtig ist Bayern, ist das Bayerische für dich?

Dinesh Bauer: Ich bin bekennender Bayer – und schau den Leuten beim Stammtisch und auf der Straße genau aufs Maul: den „Bauernfünfern“, den halbseidenen Haderlumpen und „Odel-Outlaws“. Deswegen komme ich ohne die Klischees aus, die andere Autoren dieses Genres gerne bedienen. In der eigenen Familie und im Freundeskreis finde ich genügend „Modelliermasse“, um daraus stimmige Charakterköpfe zu formen. Dazu kommen die mit viel Liebe und „von Hand“ kolorierten Schauplätze: schroffe Berge, dichte Wälder, windschiefe Wegkreuze, urige Wirtsstuben. Immer irgendwo zwischen Idyll und gähnendem Abgrund. Kulturelle Besonderheiten und regionale Bezüge gibt es zum “Saufüttern“ – und zwar sowohl in der Sprache, als auch in Bezug auf die Traditionen und die Lokalgeschichte.
Das ist mir sehr wichtig.

Magazin HaymonKrimi: Egal ob der Kommissar Kluftinger oder Eberhofer heißt. Diese Regionalkrimis haben immer Seriencharakter. Wie sieht es bei dir aus? Können wir noch mehr Untaten vom Bavarian Dream-Team Eyrainer und Wammetsberger erwarten?

Dinesh Bauer: Sowieso. Die Schorsch Wammetsberger-Krimis sind als Serie konzipiert wie Hubert & Staller oder München 7, wenn du so willst. Da ich vom Fernsehen, vom bewegten Bild komme, sind die einzelnen Kapitel immer sehr szenisch gebaut – und eine kleine Geschichte in sich. Die einzelnen Episoden, respektive Fälle sind jedoch vollkommen unabhängig voneinander und durch die gleichen Schauplätze und natürlich durch dieselben Protagonisten locker miteinander verwoben. Jetzt warte ich erst mal sehnsüchtig auf „Die schwarze Jagd“. Der nächste Fall für Schorsch steht aber schon in den Startlöchern – und „Solo für Schorsch“ wird natürlich wieder ein Hammer. Zumal es nicht nur um das Kult-Kartenspiel „Schafkopf“ geht, sondern auch die Freiheits-Ikone Andreas Hofer in einer Nebenrolle glänzt. Freut euch drauf!

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Und hier geht’s direkt nach Bayern auf „Die schwarze Jagd“ – lasst euch dieses zünftige Krimivergnügen nicht entgehen!